beyond futures literacy lab


Warum Zukunftskompetenz zur entscheidenden Fähigkeit in einer demokratischen Gesellschaft wird

Kinder und Jugendliche wachsen heute in eine Welt hinein, die unsicherer, komplexer und widersprüchlicher sein wird als alles, was frühere Generationen in dieser Dichte erlebt haben. Klimakrise, geopolitische Konflikte, soziale Ungleichheit, digitale Überforderung, Polarisierung und ein wachsender Zukunftspessimismus prägen ihr Aufwachsen. Zugleich ist die junge Generation diejenige, die diese Zukunft tragen, gestalten und aushalten muss – politisch, sozial, wirtschaftlich und kulturell. Unsere zentrale These lautet deshalb: Die größte Zukunftslücke unserer Gesellschaft ist nicht allein technologisch oder ökonomisch. Sie ist pädagogisch, kulturell und demokratisch. Wir bereiten die nächste Generation noch immer zu wenig auf eine Welt vor, die von Unsicherheit, Komplexität und tiefgreifendem Wandel geprägt ist.

beyond futures literacy lab will diese Lücke schließen. Wir verstehen Futures Literacy nicht als modisches Bildungslabel, sondern als grundlegende Fähigkeit, mit offenen Zukünften umgehen zu können: Zukünfte denken, Risiken einschätzen, Ambivalenzen aushalten, Verantwortung übernehmen, kooperieren, Sinn herstellen und trotz Unsicherheit handlungsfähig bleiben. Es geht um Urteilskraft, Resilienz, Systemdenken, Empathie, Partizipation und die Fähigkeit, Zukunft nicht nur zu erleiden, sondern mitzugestalten.

Was in den ersten 12 Monaten konkret entsteht: Wir entwickeln ein kurzes Grundsatzpapier für Förderer:innen, Medien und Politik, in dem die gesellschaftliche Lage der jungen Generation und die Leitidee des Labs verständlich verdichtet werden. Wir bauen drei erste prototypische Formate auf, dokumentieren sie professionell und leiten daraus übertragbare Modelle für Schulen, Bildungsinitiativen und zivilgesellschaftliche Partner ab. Ergänzend entsteht ein öffentliches Dokumentationsformat, das sichtbar macht, wie junge Menschen Zukunft denken, welche Themen sie bewegen und welche Kompetenzen sie für eine resiliente Gesellschaft brauchen. Damit wird aus einer abstrakten Forderung ein konkreter Werkzeugkasten für Zukunftsbildung.

Deutschland bietet für diese Arbeit einen besonders aufschlussreichen Ausgangspunkt. Die demographische Verschiebung zugunsten älterer Generationen, die strukturelle politische Unterrepräsentation junger Menschen, Bildungsungleichheit, psychische Belastungen und wachsende Zukunftsängste zeigen: Die Generation, die unsere Gesellschaft morgen tragen soll, steht heute zu oft am Rand. Im Hintergrundpapier wird dies als neue Form von Generationenungerechtigkeit beschrieben. Kinder und Jugendliche sind kostbar für die Zukunft – aber institutionell, politisch und kulturell werden sie noch nicht so behandelt. Genau hier setzt beyond futures literacy lab an: nicht mit Belehrung, sondern mit Ermächtigung.

Dabei orientieren wir uns an einem erweiterten Verständnis von Bildung. Zukunftsfähige Bildung muss mehr leisten als Wissensvermittlung. Sie muss Fähigkeiten fördern wie Futures Literacy, Risk Literacy, Resilienz, Medienkompetenz, Empathie, Selbstwahrnehmung, Kritikfähigkeit, systemisches Denken, Toleranz, Demokratiefähigkeit und soziale Verantwortung. Eine wichtige Bezugsgröße bilden dabei auch die Inner Development Goals, die jene inneren Fähigkeiten beschreiben, ohne die gesellschaftliche Transformation nicht gelingt: Präsenz, Offenheit, Perspektivwechsel, Mitgefühl, Kooperationsfähigkeit, Mut, Kreativität und Beharrlichkeit. beyond futures literacy lab verbindet diese Dimensionen mit konkreten Lern- und Erfahrungsräumen für junge Menschen.

Von der Diagnose zur Praxis: Was wir entwickeln

beyond futures literacy lab arbeitet in drei miteinander verbundenen Entwicklungslinien.

1. Kinder-Uni für Zukunftsfragen

Wir entwickeln das Konzept einer Kinderuniversität, in der Kinder und Jugendliche altersgerecht an Zukunftsfragen herangeführt werden. Dabei geht es nicht um schulische Verlängerung, sondern um neue didaktische Räume: forschend, interdisziplinär, dialogisch und zukunftsorientiert. Professor:innen, Studierende, ältere Schüler:innen und ausgewählte Expert:innen werden zu Lernbegleiter:innen. Erprobt werden soll ein Pilot zunächst im Umfeld der Freudberg-Schule, später mit weiteren Universitäts-Schul-Kooperationen in anderen Bundesländern. Ziel ist ein skalierbares Modell, das Futures Literacy früh verankert.

2. Sci-Fi-Labs für wahrscheinliche und wünschenswerte Zukünfte

Gemeinsam mit Autor:innen, Wissenschaftler:innen und jungen Menschen entwickeln wir narrative Zukunftsbilder. Kinder und Jugendliche entwerfen in eigens konzipierten Formaten ihre Vorstellungen möglicher, plausibler und wünschenswerter Zukünfte – in Texten, Bildern, Geschichten, Audio- oder Videoformaten. Erwachsene sind dabei nicht die Deuter der Zukunft, sondern Ermöglicher, Geburtshelfer und Resonanzraum. Das Ziel ist doppelt: Zukunft wird imaginierbar und damit gestaltbar; zugleich werden die Stimmen der jungen Generation öffentlich sichtbar.

3. Generationenpatenschaften zwischen Boomern und Generation Z

Die demographische Schieflage ist nicht nur ein politisches Problem, sondern auch ein kulturelles. Deshalb wollen wir Pilotmodelle für Generationenpatenschaften entwickeln, in denen ältere Menschen Verantwortung für junge Menschen und Familien in ihrer Nachbarschaft übernehmen – nicht bevormundend, sondern unterstützend, zugewandt und verbindlich. Die Idee der „sozialen Großeltern“ greift den Gedanken auf, dass Zukunftsfähigkeit auch dort entsteht, wo Verantwortung, Erfahrung und Aufmerksamkeit zwischen den Generationen neu geteilt werden. Gemeinsam mit geeigneten Partnern sollen Kriterien, Begleitstrukturen und erste Modellprojekte entwickelt und erprobt werden.

Was das Lab besonders macht

Unser Ansatz hat drei besondere Stärken.

Erstens verbinden wir gesellschaftliche Diagnose mit konkreter Erprobung. Wir beschreiben nicht nur, dass die junge Generation im Krisenmodus aufwächst – wir übersetzen diese Erkenntnis in handhabbare Bildungs- und Beteiligungsformate. Zweitens denken wir Bildung breiter: nicht nur als Schule, sondern als kulturelle, demokratische und soziale Infrastruktur der Zukunft. Drittens arbeiten wir konsequent generationenübergreifend. Futures Literacy ist keine Kompetenz nur für Kinder und Jugendliche. Sie verlangt auch von Erwachsenen, ihre Rolle neu zu verstehen: nicht als Verwalter einer Vergangenheit, sondern als Mitverantwortliche für offene und gerechte Zukünfte.

beyond futures literacy lab ist deshalb kein klassisches Bildungsprojekt. Es ist ein Labor für gesellschaftliche Zukunftskompetenz. Es bringt Pädagogik, Zukunftsforschung, Kultur, Demokratiebildung und soziale Innovation zusammen. Und es tut dies mit einer klaren normativen Haltung: Eine demokratische Gesellschaft bleibt nur dann handlungsfähig, wenn die nächste Generation nicht in Ohnmacht, sondern in Selbstwirksamkeit hineinwächst. Diese Einsicht ist im Hintergrundpapier deutlich angelegt – etwa dort, wo bessere Mitbestimmung, mehr Resilienz und stärkere politische Teilhabe als Hebel gegen Radikalisierung, Hoffnungslosigkeit und den Verlust von Generationensolidarität beschrieben werden.

Warum das in eine Zukunftsstiftung gehört

Eine Gesellschaft kann nur so weit in die Zukunft denken, wie sie ihre Kinder und Jugendlichen ernst nimmt. Zukunftskompetenz ist kein Zusatzthema für gute Zeiten. Sie ist eine Voraussetzung dafür, dass Demokratien unter Druck menschlich, lernfähig und handlungsfähig bleiben. Wer in Future Literacy investiert, investiert nicht nur in Bildung. Er investiert in gesellschaftliche Resilienz, politische Mündigkeit, soziale Kohäsion und die Fähigkeit, Wandel aktiv zu gestalten.

beyond futures literacy lab stärkt genau diese Voraussetzungen: eine junge Generation, die mit Unsicherheit umgehen kann; Bildungsräume, die Zukunft nicht verdrängen, sondern bearbeiten; neue Formen des Austauschs zwischen den Generationen; und konkrete Prototypen, aus denen übertragbare Modelle entstehen. So wird aus dem abstrakten Begriff „Zukunftsfähigkeit“ eine erfahrbare Praxis.

Was wir jetzt benötigen

Um das Programm in der Startphase umzusetzen, benötigen wir gezielte Unterstützung: für die konzeptionelle Ausarbeitung und das Grundsatzpapier, für die Entwicklung und Durchführung der Pilotformate, für Dokumentation und Auswertung, für geeignete Partnerschaften mit Schulen, Hochschulen und Bildungsakteuren sowie für die öffentliche Sichtbarmachung der Ergebnisse. Gesucht werden Förderpartner, die erkennen, dass die politische Infrastruktur der Zukunft nicht erst im Parlament beginnt, sondern schon im Aufwachsen, Lernen, Imaginieren und Mitgestalten der nächsten Generation.

Einladung

beyond futures literacy lab ist ein Angebot, die junge Generation aus ihrer strukturellen Randlage ins Zentrum gesellschaftlicher Zukunftsgestaltung zu rücken. Nicht als symbolische Geste, sondern als konkrete Investition in eine resilientere, gerechtere und demokratischere Gesellschaft. Wir laden Förderpartner ein, diesen Impuls mitzutragen – mutig, praktisch und mit einem langen Atem. Denn die Zukunft entsteht nicht irgendwann. Sie entsteht dort, wo Kinder und Jugendliche heute lernen, sich als Mitautorinnen und Mitautoren der Welt von morgen zu begreifen.