Über planetare Grenzen, moralischen Mut und die Kunst, sich eine bessere Zukunft vorzustellen
Ein Essay von Eckard Christiani
Ernest Shackleton, ein britischer Polarforscher, dessen Expedition ins antarktische Eis 1914 spektakulär scheiterte und dessen Männer er dennoch alle lebend nach Hause brachte, soll gesagt haben, Probleme seien am Ende nur Dinge, die man bewältigen müsse. Der Satz klingt lapidar. Er ist es aber nicht. Er ist monumentaler Pragmatismus — und er enthält, bei näherer Betrachtung, eine vollständige Philosophie des Handelns unter extremen Bedingungen. Shackleton wusste, dass Schiffe im Eis zerbrechen, dass seine Männer frieren, dass die wenigen Vorräte schwinden. Er wusste auch, dass Klagen die Situation nicht verändert. Also handelte er. Täglich. Konsequent. Mit Blick auf das, was möglich war — nicht auf das, was verloren gegangen war. Die Wissenschaft weiß seit einigen Jahren, was Shackleton intuitiv verstand: Nur wer sich eine gelingende Zukunft vorstellen kann, findet den Mut, sie zu bauen.

Optimismus, verstanden auf seine Weise, ist keine naive Haltung. Er ist kein Wegschauen, kein Schönreden und kein Verweigern unangenehmer Wahrheiten. Dieser Optimismus ist moralischer Mut. Er ist die Entscheidung — und das ist eine Entscheidung — angesichts schwieriger Fakten nicht zu kapitulieren, sondern die Frage zu stellen: Was nun? Diese Frage ist der Ausgangspunkt aller Zivilisation. Sie ist auch der Ausgangspunkt dieses Essays.
(mehr …)

